Kreuz und quer ist sie mit uns Reiterlein durch die Halle geschossen, sie hatte so viel Power und Bewegungsdrang. Trotz des ZickZack-Kurses habe ich mich auf ihr immer sicher gefühlt, sie hatte einen wunderbar runden Galopp und war keine Bucklerin - schnell sollte es sein, aber nicht riskant. Am Anfang konnten wir sie nur mit Karotte in der Hand auf die Koppel führen, das war das einzige Mittel, sie etwas abzulenken und zu bremsen. Wer sich mit Gerte auf ihren Rücken setzte, ließ diese nach ein paar Metern panisch fallen.

Ich hab mich ziemlich schnell in Gina verliebt und seitdem habe ich nie wieder ein Pferd getroffen, mit dem es mir so ging wie mit ihr. Die folgenden 10 Jahre bin ich fast ausschließlich Gina geritten. Diese einseitige Pferdewahl hat mich sicher nicht zu einer großartigen und vielseitigen Reiterin gemacht, aber ich hatte einfach immer so viel Spaß in den Stunden mit Gina.

Durch sie habe ich meine Leidenschaft zum Springen entdeckt.   

                            

Und wenn die ersten Reitstunden auf ihr rasant und abenteuerlich waren, dann waren die ersten Springstunden auf ihr wirklich atem(be)raubend!

Da war ein Tempo und eine Kraft dahinter! Aber auch hier wieder eine Ruhe und Sicherheit beim Springen, wie nur sie als Ex-Tunierspringpferd sie haben konnte. Wenn man beim Sommerfest oder Stalltunier mit ihr sprang, war sie heiß, sobald man die Zügel aufnahm, - und das entspannteste, lässigst schreitende Pferd, sobald der „Parcours“ vorbei und die Zügel wieder lang waren. Beim Freispringen hatte sie immer Spaß und eine Ausstrahlung, die wunderschön war.

Und dann im Gelände – Mann, hatte dieses Pferd Kraft und Power unterm Arsch!  

                                        Aber auch hier, einfach ein Genuss sie zu reiten.

Gina mit ihren langen Eselsohren war im Umgang immer ein nettes, aber auch immer ein unabhängiges Pferd. Ihre Anhänglichkeit und Liebkosung bezog sich meist auf die Leckerlies in der Tasche. Sie konnte auch rumspacken - wer erinnert sich noch, wie wir sie „Gini Potter“ nannten, weil sie sich beim Steigen in der Stallgasse eine Harry Potter ähnliche Schramme auf der Stirn zugezogen hatte.

Mit Barney verband sie eine interessante Hassliebe, Weltfürst war lange ein guter Freund auf der Koppel, und wie sehr sie an ihrer Boxennachbarin Gisett hing, wurde erst deutlich, als die beiden sich im Allgäu wieder trafen.       

       

Für mich hätte ich mir gewünscht, dass Gina mehr in der Nähe in einem Offenstall in Rente geht und ich sie ganz oft besuchen kann. Dann kam sie zwar weit weg ins Allgäu, aber für Gina muss ich sagen: Besser als gemeinsam mit Gisett bei Eva im Allgäu zu landen, hätte sie es nicht treffen können!

Dort hatte sie 8 schöne Jahre. Eva klagte am Anfang auch über ihre Unbändigkeit - das Feuer hat sie fast bis zu letzt, nach Gisetts Tod mit der dritten im Bunde, Eli, beibehalten.

Ganz am Schluss wich die Kraft aus ihrem Körper und es war gut, dass sie im Beisein ihrer Freundin Eli erlöst werden konnte.

Ein großes Dankeschön geht an Eva und die Pferdesenioren für die schönen Jahre, die sie Gina ermöglicht haben!!

Ein Nachruf von Simone